Zwischenzeit

Nicht mehr richtig Winter wird es, wenn der Frühling sich bereits von seiner besten Seite gezeigt hat. Wenn du das Meer schon gerochen hast. Wenn die Schneeglöckchen fast verblüht sind, und die Krokusse, Hyazinthen und Osterglocken in den Startlöchern stehen. Wenn die Lammzeit in vollem Gange ist, die ersten Schafe wieder die Deiche besetzen. Wenn sich die ersten Knospen an den Sträuchern und Bäumen zeigen. Wenn du regnerischen und stürmischen Tagen eher abgeneigt gegenüber stehst.

Wenn dein erklärtes Ziel heißt, Weltmeisterin im Backen dänischer Æbleskiver zu sein. Nach Omas Rezept. Zwar weißt du genau, dass jetzt nicht mehr die Zeit für die fluffigen, kugelrunden Pfannküchlein ist, aber das tangiert dich extrem peripher. In Dänemark wirken Æbleskiver vor allem in der Adventszeit stimmungsaufheiternd. Glücklicherweise hast du im hiesigen Tante-Emma-Laden eine dänische Æbleskiver-Pfanne entdeckt und warst sofort hin und weg. Auch die Verkäuferin freute sich mit an deinem sichtbaren Glück.

Nordfriesland ist auch ein bisschen Dänemark. Nicht nur, weil Dänisch eine der fünf Sprachen unserer Region ist. Neben Hochdeutsch wird ausgiebig Plattdeutsch gesprochen, leider weniger Friesisch und Südjütisch. Doch es gibt dänische Kindergärten, Schulen, Theater, Kulturvereine, Sprachkurse und eben Æbleskiver-Pfannen im Angebot.

Nordfrieslands Sprachenvielfalt

Zwar denkst du, es würde durchaus Sinn machen, noch eine dieser Sprachen zu lernen, hast aber konsequenterweise erst mal mit Schwedisch angefangen. Vielleicht wirst du auch wieder umschwenken. Zu Dänisch. Oder Norwegisch. Wer im nördlichsten Teil Deutschlands lebt, liebt den Norden meist. Und da ist es praktisch, wenigstens eine der nordischen Sprachen zu sprechen, um sich auch außerhalb des Englischen in Skandinavien zu verständigen.

Liegt es an dieser speziellen Stimmung der Zwischenzeit, dass du dich nicht entscheiden kannst? Nicht Fisch, nicht Fleisch bist. Im Meer schwimmen willst du, aber es ist dir noch viel zu kalt. Du denkst, du musst alle Zeiten des Jahres leben und dich nicht ständig auf den Sommer freuen, der dann wieder so schnell verschwindet, selbst wenn er mal länger andauert. Wenn er bis in den September reicht. Natürlich plädierst du nicht für eine Dürreperiode wie im letzten Jahr. Es könnte ja hin und wieder auch regnen. Am liebsten nachts. Aber sonst darf der Sommer ruhig schön werden, denkst du in der Zwischenzeit.

Ein paar deiner Tage musstest du in der großen Stadt verbingen, wo du gelobt und gehätschelt wurdest. Wo du eine fantastische Anerkennung mit auf den Weg bekommen hast: Schon wieder bester deutschsprachiger Reiseblog! Das ist verrückt und wunderbar. Leider gönnt dir das Wetter keine Outdoorparty – außer Spaziergängen bei launischem Wechsel zwischen Sonne, Regen, Hagel, Nebel. Wind, der dir die Tränen in die Augen treibt. Das ändert sich auch nach fast neun Jahren an der Küste nicht. Leider hast du ebenfalls den obligatorischen Schnupfen aus Berlin importiert. Jetzt hilft nur noch die Wetter-App: Sonne ab Sonntag!

Der rote Pulli

Wind und Regen peitschen gegen die Fenster. Eigentlich hättest du Lust, sie zu putzen, was gar selten vorkommt. Es muss an dieser ausbaufähigen Vorfrühlingsstimmung liegen. Auch magst du deine Wintersachen nicht mehr – außer dem gerade fertig gestrickten roten Pulli. Darin fühlst du dich warm, kreativ und wunderbar. Du willst alles ändern, erneuern und saubermachen. Den Garten aufräumen und vorbereiten. Vielleicht bist du auch neidisch auf den Mann, der schon die Säge in die Hand genommen und damit angefangen hat.

Zwar trauerst du noch ein bisschen der Esche hinterher, die vom letzten Sturm gefällt wurde, hast die Stelle am Wassergraben aber schon als ideale Lounge-Ecke ausgemacht. Umgeben von Kirsch- und Quittenbäumen. Haben sich die Holunderbüsche eigentlich komplett von der Dürrezeit erholt? Am Ende des Sommers sahen sie nach Wüste aus.

Auf der Terrasse tänzeln dankbare, propere, da gut gepamperte Meisen und Rotkehlchen, Amseln und seltener auch mal ein Spatz. Man singt und schaut uns aufs Butterbot. Vor allem, wenn kulinarischer Nachschub angebracht wäre. Im Gegenzug zeigt man sich erkenntlich: Über das tägliche höchst motivierte Morgenkonzert können wir nicht klagen.

Tierische Pläne

Vorfrühling ist, wenn ihr neue Anbauflächen freimachen wollt. Wenn ihr, die Erfahrungen des letzten Jahres resümeriend, genau wisst, welche Pflanzen wieder in den Kleiboden kommen und welche ins Hochbeet. Zu eurer großen Freude sprießt der Schnittlauch schon, und die Erdbeerpflanzen haben den Winter unbeschadet überstanden.

Wenn euer nächstes Projekt immer näher rückt, so dass ihr diese launische Zwischenzeit fast vergesst. Bald werden ein paar Hühner bei uns einziehen. Und wir freuen uns schon sehr.

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